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Not macht erfinderisch

Die Konstruktion der hpl-Group beweist selbst in schwierigen Situationen volle Kundenorientierung und entwickelt auch nach Abschluss der auftragsbezogenen Konstruktionsarbeiten im vertretbaren Rahmen kreative Lösungen für spezielle Kundenwünsche.

News Not macht erfindersich

Der Standard-Bundhubwagen der hpl-Group (links) wurde für das Drehen des gespaltenen Coils um 180° neu ausgelegt (rechts).

Mit dem "flexiblen Andrückarm" (oben) wird das Coil während des Drehvorgangs sicher in seiner Position gehalten.

"Not macht erfinderisch", sagt ein altes Sprichwort, und fördert die Kreativität, was sich erst kürzlich bei der Realisierung eines Projektes bei der hpl-Group bewahrheitet hat. So trat der Kunde, nachdem alle Baugruppen und Teile für die Längsteilanlage bereits in der Fertigung waren, an den Projektleiter mit der Bitte heran, zu überprüfen, ob nach der Bearbeitung in der Längsteilanlage die Möglichkeit bestehe, das Stahl-Coil sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn auf die nächste Station zu übergeben. Hierzu müsste das Coil stehend um 180° um die eigene Achse gedreht werden. Diese Lageorientierung würde ein einfacheres und flexibleres Handling beim späteren Transport ermöglichen.

Das Problem hierbei war der sehr begrenzte Bauraum in dem bereits fertig konstruierten Anlagenbereich, das hohe Coilgewicht mit 9 Tonnen und die Anzahl der Bandstreifen. Das 860 mm breite Coil kann in dieser Anlage im Längsteilprozess auf bis zu 31 einzelne schmale Coils im Durchlauf getrennt werden. Dieser Punkt stellte bei der nachträglichen Aufgabenstellung die größte Herausforderung dar. Durch das sehr ungünstige Verhältnis bei einem großen Durchmesser von 1.650 mm und einer Einzel-Coilbreite von minimal 10 mm ist das Coil sehr anfällig für ein Umkippen.

Das Konstruktionsteam aus Hemer und Ringe setzte sich daraufhin mit der Arbeitsvorbereitung und dem Einkauf zusammen und besprach, welche in der Beschaffung befindlichen Teile verwendet werden können und welche Teile neu modelliert und gefertigt werden müssten. Dieser Mehraufwand wurde mit dem Kunden abgestimmt und die Umsetzung konnte konstruktiv gestartet werden. Bei der Auswahl der neuen Teile musste bereits in der Konzeptphase darauf geachtet werden, dass eine termingerechte Beschaffung und Fertigung umgesetzt werden konnte - der nachträgliche "Umbau" sollte schließlich zusammen mit dem Hauptauftrag ausgeliefert werden.

Da für das Heben, Drehen und Sichern des 9 t Coils auch verhältnismäßig robuste Maschinenelemente vonnöten waren, musste der Einkauf bei allen Langlieferkaufteilen, wie zum Beispiel  Drehkränze und Linearführungen, alle verfügbaren Lieferanten anfragen, um Kosten und Lieferzeiten einhalten zu können.Herausgekommen ist eine Lösung, bei der man sagen kann, dass "Not erfinderisch macht".

Bei dem Standard-Überflur-Bundhubwagen von hpl, der aufgrund seiner Form auch  L-Bundhubwagen genannt wird, wurde das starre Auflageprisma durch eine Drehauflage ersetzt. Diese kann das gesamte Gewicht elektromotorisch um 180° drehen.

Zur Kippsicherung der vielen Einzel-Coils wurde eine Art "flexibler Andrückarm" konstruiert, der sowohl die leichten Durchmesserunterschiede ausgleichen kann als auch das seitliche Herauskippen absichert.

Wie bei fast jeder Neuentwicklung musste nach den ersten Versuchen beim Kunden noch eine kleine Änderung hinsichtlich der optimalen Drehachse zwischen dem unteren Drehteller und dem oberen Andrückbalken erfolgen. Mittlerweile laufen die Längsteilanlage und der umgebaute Bundhubwagen zur vollen Zufriedenheit des Kunden und sind täglich mehrfach im Einsatz.